Tom Habscheid ist ein Useldinger Junge. Das hört man ihm auch heute noch an. Mit seinem leicht nördlichen Akzent und der offenen natürlichen Art lässt der heute 32-Jährige tief in seine Vergangenheit und seinen sportlichen Werdegang blicken: „Als Kind habe ich ganz viel Sport gemacht, ich habe Fußball gespielt, durfte zwar nie ein offizielles Spiel machen, weil ich aufgrund der Prothese keinen Spielerpass bekommen habe. Dennoch ging ich dreimal die Woche zum Training, ich verbrachte also einen Großteil meiner Woche auf dem Grün.“
Mit 16 Jahren begann Tom seine Ausbildung. Zu dieser Zeit, so er selbst, rutschte der Sport immer etwas mehr in den Hintergrund. Er habe zwar versucht regelmäßig das Fitnessstudio zu besuchen, gesteht sich aber selbst ein, dass um es ihnen seine Worte zu sagen: „Das Hauptprogramm Party war!“ Irgendwann zum Ende seiner Bäcker-Ausbildung habe es dann aber Klick gemacht und er wollte einfach auch mal etwas richtig machen und so gelangte er über Umwege zur Leichtathletik.
„Früher als Kind hat man Träume. Die will man sich irgendwie erfüllen und irgendwie sollte es in meinem Leben nicht möglich sein, dass ich mir diese Wünsche erfüllen sollte. 2012 habe ich dann allerdings die olympischen Spiele verfolgt und damals hat man in London sehr viel Wert auf die Parathleten gelegt“ blickt Tom zurück auf den einen Punkt, der seine sportliche Karriere von 0 auf 100 beschleunigen sollte. „Ich dachte mir einfach, wenn ich hier in Luxemburg kein Fußball spielen kann, da es schwierig wird elf Männer mit nur einem Bein zu finden, wieso nicht einfach Leichtathletik, genauer noch Diskuswerfen und Kugelstoßen.“
Das Problem mit der Unterstützung?
Eine E-Mail und ein Probetraining später stand Tom beim Celtic Klub aus Diekirch auf der Matte und sollte von Fort an trainiert werde. „Es war schon sehr cool. Aber ich habe dann auch gemerkt, dass das was ich mache und das was die Typen auf dem Fernseher machen zwei verschiedene Geschichten sind“ blickt er heute auf seinen ersten Würfe zurück. Nachdem er dann bereits im Oktober bei seinem ersten Wettbewerb startete und über 30 Meter warf, genügte ein Blick auf die Weltrangliste um zum Entschluss zu kommen: „Da könnte ich mithalten.“
Daraufhin war für Tom klar, ich will nach Lyon. Denn in der französischen Metropole fanden damals, im Jahr 2013 die Weltmeisterschaften statt. Nach einer Anfrage beim nationalen paralympischen Komitee, musste er allerdings einen Tiefschlag hinnehmen. Trotz des Erreichens der Normen wollte man ihn aufgrund seines rasanten Auftauchens auf der athletischen Landkarte nicht so richtig unterstützen. Glücklicherweise sah sein Verein das etwas anders und setzte alle Hebel in Bewegung, sodass Tom an Ende mit einer Wildcard an der Weltmeisterschaft teilnehmen konnte. Sein Ergebnis dürfte dann, dem der entschied ihn nicht unterstützen zu wollen kräftig um die Ohren geflogen sein: Platz fünf bei seiner ersten WM-Teilnahme.
Von Verletzungen und großen Träumen
Erst vor wenigen Monaten verletzte sich Tom dann das erste Mal in seiner Karriere, einen Muskelfaserriss. „Ich lasse mich davon doch nicht unterkriegen. Ich konnte zwar leider nicht auf meinen Beinen trainieren, dabei habe ich schon nur eins, aber unterkriegen lasse ich mich davon nicht“ antwortete Tom gewohnt humorvoll auf die Nachfrage bezüglich des mentalen Einflusses seiner Verletzung. Er habe Ziele und von denen ließe er sich nicht abbringen und man kauft ihm jedes einzelne Wort davon ab.
Fest im Blick ist zwar schon die Weltmeisterschaft dieses Jahr in Dubai doch das Herz von Tom schlägt für 2020. Wenn in einem Jahr nämlich in Japan die olympischen Spiele stattfinden will Tom Habscheid großes erreichen und er scheut sich nicht das auch zu sagen: „Ich will der erste luxemburgische Parathleten werden, der eine olympische Medaille gewinnt. Der behinderte Josy Barthel!“
