Nach der dreijährigen Abstinenz von der Jeunesse Esch auf der europäischen Bühne, kehrt die Mannschaft von Trainer Nicolas Huysman auf eben diese zurück. Der dritte Platz aus der vergangenen Saison bringt die Luxemburger in Schwarz-Weiß in der zweiten Runde der Qualifikation mit dem Gegner Tobyl Qostanai auf einen Platz.
Wenngleich die Jeunesse heutzutage nicht mehr unbedingt bekannt ist für die großen Erfolge oder die glorreichen europäischen Momente des Luxemburger Fußballs, war das vor einigen Jahren noch ganz anders. Lange bevor der F91 Düdelingen überhaupt das Licht der Welt erblickte sorgte die Mannschaft aus Esch, nämlich für die magischen Abende im Europapokal. Mit sage und schreibe 36 Teilnahmen an europäischen Wettbewerben ist die Jeunesse immer noch unangefochtener Spitzenreiter in Sachen Teilnahmen. Doch nicht nur die Anzahl an Teilnahmen, auch die Gegner mit denen man sich während dieser messen durfte und die Ergebnisse, die man dabei teilweise erzielte werden für immer ein großer Teil Fußballhistorie in Luxemburg bleiben.
Die älteren unter uns und die richtigen Fußballexperten werden vor allem an die Saison 1959/60 noch sehr gute Erinnerungen haben. Damals kam es im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister, nämlich zum Duell zwischen der Jeunesse Esch und einem Klub namens Real Madrid. In einem Spiel vor fast 60.000 Zuschauern im Estadio Santiago Bernabeu verlor die Mannschaft vom damaligen Trainer, George Berry, mit 0:7 gegen die Galaktischen. Das Rückspiel bei dem unter anderem die Legenden Alfredo Di Stéfano und Ferenc Puskás für das weiße Ballett trafen die Jeunesse mit 2:5, Torschützen und für immer Ikonen der Jeunesse: Marcel Theis und Albert Schaack.
Rund 13 Jahre später schaffte es die Jeunesse dann gegen den nächsten europäischen Giganten, den FC Liverpool, ein sensationelles 1:1 im Hinspiel im heimischen Stade de la Frontière zu holen. Das Rückspiel an der Anfield Road ging mit 2:0 an den englischen Geschichtsklub. 1975 gaben sich dann rund um den wohl bekanntesten Libero aller Zeiten, Franz Beckenbauer, die Bayern aus München die Ehre und gewannen in beiden Spielen zusammen mit 8:1. Der letzte Auftritt einer Mannschaft von Weltformat in Esch gab es 1985 mit dem Besuch von Juventus Turin mit Legenden wie Michel Platini und Michael Laudrup.
Ganz so namhaft ist der Gegner der Jeunesse in dieser Saison nicht und wird es auch im Verlaufe des europäischen Weges wohl nicht mehr werden. Aber wir reden hier über Fußball. Der Mythos Jeunesse Esch lebt, kein andere Klub konnte international solch magische Nächte feiern wie der Rekordmeister aus Esch. Und selbst wenn der gegnerische Klub nicht unbedingt die Magie zurück in das Stade de la Frontière bringt, kann die Erinnerung an diese Momente mit den richtigen Resultaten wieder zurückgebracht werden. Eine magische Welle, welche die Mannschaft von Trainer Nicolas Huysman vielleicht erneut historische Momente auf der europäischen Bühne feiern lässt.
Daniel Baltes
